Henry Okorafor hat es geschafft: Von Platz sechs ist er auf Position drei gerutscht und damit der erste schwarze Stadtrat Ingolstadts und auch Bayerns

Henry OkraforWer in den letzten Wochen durch Ingolstadt gefahren ist, der konnte den Eindruck gewinnen, da bewirbt sich doch tatsächlich ein Farbiger um das Amt des Oberbürgermeisters. Denn Henry Okorafor hatte die Stadt derart flächendeckend mit seinem Konterfei tapeziert, dass die Wahlplakate anderer politischer Akteure im wahrsten Sinn des Wortes blass aussahen. Und er hat es geschafft. Von Platz sechs auf der Liste der Grünen ist er auf Position drei vorgewählt worden.

Lange Zeit stand er am Wahlabend sogar auf Platz zwei. Vor Petra Kleine. Und den Grünen wurde buchstäblich schwarz vor Augen. So richtig amüsiert jedenfalls waren sie nicht über den Effekt, den sie indes hätten erahnen können. Denn Henry Okorafor stand nicht zum ersten Mal auf einer Wahlliste für den Stadtrat. 2008 – damals war er noch Mitglied er SPD – hatte er sich schon einmal um ein Stadtratsmandat beworben. Und war sage und schreibe 15 Plätze nach vorn gewählt worden. Gereicht hatte es damals indes nicht ganz. Dieses Mal schon.

Und so zieht erstmal ein echter Schwarzer in den Stadtrat ein. Und ist mit manch einem Schwarzen im übertragenen Sinn gut befreundet. Zum Beispiel mit Hans Süßbauer.

Geboren und aufgewachsen ist Henry Okorafor in Nigeria. Vor 20 Jahren kam er nach Deutschland. Der 45-Jährige hat in Eichstätt studiert und gelebt, sich politisch zunächst bei der SPD engagiert, bis ihn nach dem Umzug auf die Schanz und nach einer Stadtratskandidatur eine gewisse Enttäuschung und die Erkenntnis, dass er woanders besser aufgehoben ist, zu den Grünen führte.

Er ist der Mann, der am dritten Wochentag geboren ist. Genau das bedeutet Okorafor in der Sprache des nigerianischen Stammes der Ibo, für den die Woche nur vier Tage zählt. Geboren ist Henry Okorafor in Owerri, der rund 700 000 Einwohner zählenden Hauptstadt von Imo, einer Art Bundesland im Südosten Nigerias. Er machte das Abitur und studierte Politikwissenschaft an der Universität Jos, ehe der nach Deutschland kam.  Kontakte hierher bestanden über seinen Vater, ein Staatssekretär, der in Berlin schon 1961 die nigerianisch-deutsche Freundschafts-Gesellschaft gegründet hatte. Kardinal Wetter, Münchner Erzbischof, bot Henry Okorafor damals ein Stipendium an. So verschlug es ihn an die Katholische Uni Eichstätt, wo er sich der Politikwissenschaft und Philosophie sowie der Neuen und Neusten Geschichte widmete.

1999, nach dem Magister mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen, machte Okorafor sich als Dolmetscher und Übersetzer selbstständig. Er arbeitet für Unternehmen, Gerichte, den Zoll, das Landeskriminalamt und Justizbehörden. Zudem ist er bei Audi beschäftigt. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von elf und 15 Jahren. Seine Frau Karin (41) ist Grundschullehrerin und kandidiert auf Platz 30 der Grünen-Stadtratsliste. Familiär wie politisch ist also alles im grünen Bereich.

Ursprünglich veröffentlicht von Michael Tobias und Zell Schmatloch

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